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Hardware07.11.2006, 14:00← Alle Artikel

Battlefield 2142 - Review

Pvt._HudsonPvt._Hudson9.021 LeserLesezeit 10 Min

Krieg ohne Ende

Battlefield 2142 - Review

Der zweihundertjährige Krieg – Testbericht: Battlefield 2142

 

Nach dem man sich nun rein rechnerisch schon seit 200 Jahren die Köpfe eingehauen hat, tobt – wenn es nach den Vorstellungen von DICE geht – noch immer der niemals endende Konflikt zweier großer Parteien. Die beiden fiktiven Mächte sind trotz der Klimakatastrophe darauf erpicht, so viel Land wie möglich von dem noch verbleibenden bewohnbaren teilen der Erde zu erobern. Wahrscheinlich um weitere Kriegsgeräte aus den wenigen Rohstoffen zu bauen. Das eigentliche Konfliktpotenzial ist wohl nur DICE bekannt.




Feels like Condoleezza Rice

Im 22. Jahrhundert hauen sich die Europäische Union (EU) sowie die Pan Asian Coalition (PAC) allerlei neues Kriegsgerät um die Ohren. Normale Panzer wie in den Vorgängern findet man nicht mehr. Diese Position füllen die recht wenig vertretenen Walker - schwere Kampfkolosse mit MG, Granatwerfer EMP-Werfer sowie kurzzeitig aktivierbarem Schild. Die von zwei Soldaten zu steuernden Monster können Infanterie problemlos zertrampeln und sind auch von Truppen mit Raketenwerfern schwer auszuschalten. Das liegt zum einen daran, dass die Walker eine Menge einstecken und zum anderen daran, das die Piloten von dort oben eine weit bessere Möglichkeit haben, auch Soldaten hinter Objekten zu erspähen und mit ihren Bordgeschützen leichter ausschalten können als ein ebenerdiger Panzer.

Weit unspektakulärer ist der Panzer der PAC. Denn der sieht böse aus, macht aber nicht viel. Das Treffen aus der Bewegung heraus ist mit diesem hovercraftähnlichen Gefährt eine echte Glückssache. Jede noch so kleine Unebenheit lässt das Gefährt zappeln. Hinzu kommt, dass das Geschütz nicht schwenkbar ist und das Gefährt eigentlich nur gerade aus fährt. Zum Wenden muss man mit der Maus das ganze, träge Gefährt wenden. Zum Ausweichen von ungelenkten Geschossen eignet sich das Geschütz hingegen sehr, da es ähnlich wie der Soldat selbst „strafen“ kann. Auf Servern sieht man in diesem - Zwangsjacken ähnlichen - Vehikel jedoch selten jemanden etwas sinnvolles erreichen.

Die Luftwaffe wurde auf Hubschrauber beschränkt. Zum einen wird der Grund dafür sein, dass die Karten ja doch meist für anständige Action zu klein waren und zum anderen sorgten die Luftakrobaten oft für Frust, da diese entweder punktgenau trafen oder mit Teamkills für Furore sorgen. Es gibt wieder die Transporter, welche diesmal beidseitig mit Gatlings ausgerüstet sind, sowie die AH-1 ähnlichen Kampfhubschrauber. Beide fliegen mit schön animierten Schwenkdüsen, weshalb der Name Hubschrauber eigentlich fehl am Platze ist. Beim Landen klappen liebevoll, die bei Aliens die Rückkehr geklauten, Landekufen aus, um das Luftfahrzeug behutsam aufzusetzen.

 

Nur ein toter Gegner ist ein guter Gegner

Und da dies auch DICE bekannt ist, ist die Infanterie auch am umfangreichsten mit Waffen ausrüstbar. Für die in BF2142 nur noch vier vorhandenen Soldatenklassen Aufklärer, Sturmsoldat, Pionier und Versorgungssoldat gibt es insgesamt 40 Upgrades, welche nahezu beliebig kombiniert werden dürfen.

So kann man selbst entscheiden, ob man lieber mit leichter Rüstung agiler oder mit schwerer Rüstung sicherer agieren möchte. Neben der Rüstung können dem Soldaten Granaten, Sprengstoff, frei aufstellbare Energiebarrieren, Selbstschussanlagen, EMP-Minen, kleine fliegende Aufklärer oder diverse Waffenupgrades wie zum Beispiel ein Schussstabilisator mit aufs Schlachtfeld gegeben werden. Viele nahezu dringend benötigte Gegenstände gibt es jedoch erst nach dem Erreichen von einer bestimmten Punktanzahl, welche nur online erspielt werden kann. Dies frustriert anfangs ein wenig, da auf den Servern natürlich bereits eine Menge voll ausgerüsteter High-Tech-Soldaten herumschlurfen. Dafür erntet man die Punkte wesentlich flotter als im Vorgänger. So kann der gemeine Sturmsoldat mit ein paar vergebenen Punkten ganz flott zum Sani aufgewertet werden. Die gewonnenen Punkte dürfen zu dem live im Spiel vergeben werden, das motiviert.

Ob DICE vergessen hat, dass man die Waffe auch im Anschlag wechseln möchte oder dies mit Absicht eingebaut hat ist mir noch unklar. Jedoch ist es jetzt nur noch mit der Waffe welche man normal trägt (also nicht über Kimme und Korn bzw. im Zoom) möglich auf eine andere zu schalten. Als Versorgungssoldat ist man auf größere Distanz gezwungen über Kimme und Korn zu schießen, da man auf Grund der Streuung sonst gar nichts trifft. Sehr frustrierend ist es dann, wenn man auf Grund eines leeren Magazins im Gefecht auf die Pistole wechseln muss. So ist es jetzt nötig, in die Normalansicht zu wechseln, bevor man die Chance hat eine andere Waffe zu wählen.

Neu ist, wenn man im der Gruppe kämpft und ein Verbündeter einen gegnerischen Soldaten erspäht, dieser durch ein rotes Caro auch hinter Hindernissen angezeigt wird. Dies ist hilfreich, denn die Überlegenheitschancen steigen dadurch rapide an und man kann die scheinbar beflügelten Handgranaten, welche eine extreme Wurfweite besitzen auch ohne das man einen Gegner sieht, erfolgreich einsetzen. So geht die Übersicht aber auch bei größeren Gefechten verloren. Das Interface blinkt, macht dann wild vor sich hin und fängt an zu tüteln, als ob man in einem Weihnachtsbaum beim Musikantenstadl sitzen würde.

Eine motivierende Neuerung ist es in BF2142, dass man ganz makaber Dog-Tags von mit dem Messer um die Ecke gebrachten Gegnern sammeln kann. Da erhält der Begriff "Sammler" doch eine ganz neue Bedeutung.



Battlefield

Das Schlachtfeld in Battlefield 2142 hat sich nicht groß zu den Vorgängern verändert. Wo Battlefield 2 noch mit tollen Farben karibische Inseln oder mit hübschen Grastexturen wasserreiche Öllandschaften auch optisch interessant gestaltete, versucht Battlefield 2142 das ganze so trostlos wie möglich darzustellen. Man erhält den Eindruck, als ob die Ära der Mech Warrior-Serie völlig an DICE vorbei gegangen sei, ohne das sie es denen würdig waren. Dort gab es wenigstens noch bunte, abwechslungsreiche Texturen, wenngleich die Polygonanzahl damals zu wünschen übrig lies. Bei BF2142 ist alles grau in Grau. Die Fahrzeuge der beiden Fraktionen unterscheiden sich erst, wenn man von Ihnen überfahren wird bzw. das Interface einem beim zielen durch farbige Namen darauf hinweist.

Selbst die Hubschrauber und die Walker heben sich kaum von einander ab, obwohl gerade bei diesen beiden Einheiten mehr Freiheiten gegeben sind, als bei den grauen Soldaten mit ihren grauen Helmen und ihrer grauen Ausrüstung. Ein bisschen Style von Unreal Tournament hätte dem Spiel wirklich gut getan, zudem auch viele Objekte wie Bäume oder Felsbrocken 1:1 aus dem Vorgänger übernommen worden. Das ist definitiv nicht das, was man von einem Vollpreistitel erwartet. Schön anzusehen ist hingegen der Schnee, welcher auf ein paar der insgesamt 10 Karten langsam gen Boden rieselt. Spielerisch hat dies jedoch keine Auswirkung.

Schick sieht es jedoch aus, wenn man in einem fahrzeug von einer EMP-Granate getroffen wird. Die DirectX Shader leisten alle Arbeit und verzerren das Bild. Bei Infanteriesten ist die Farbzusammensetzung für ein paar Sekunden verfälscht und im Waffenzoom läuft eine elektromagnetischer Störstreifen durchs Bild. Beim Zerstören von Fahrzeugen, insbesondere der Walker, protzt die Grafikengine mit den besten optischen Trümpfen. So zerbröseln die Zweibeiner am Leitwerk, kurz bevor dieses mit einer großen Explosion physikalisch korrekt vernichtet wird.

Die Karten sind in etwa gleich groß wie die in BF2 und stehen wieder in 3 verschiedenen Größen zur Auswahl. Auf den größeren Karten sorgen die zu wenigen Fahrzeuge nicht selten wieder für lange Fußmärsche. Ebenso vermisse ich den längst überfälligen optional auf den letzten eroberten Flaggenpunkt springenden Einstiegspunkt, insbesondere auf den langgezogenen, kleineren Karten.



Ich bin ein Berliner

Die 10 Karten stellen Gebiete in Europa sowie im ferneren Osten dar. Dazu gehört eine Karte in Berlin oder auch am Suez Kanal. An die originalen Schauplätze erinnern außer dem Namen aber nichts an ihre Vorbilder. Im neuen Titan-Modus besitzen beide Parteien einen fliegenden Koloss, welcher eigentlich nur ein großes Raumschiff ist, auf dem Luftfahrzeuge stehen und welches sich mit bedeienbaren Bordgeschützen vor Angreifern schützt. Ziel dieses Modus ist es, durch erobern von Strategiepunkten, welche auf der Karte verteilt sind, die Kontrolle über Raketenabschusssysteme zu erlangen. Hat man mit dem Besetzen und Halten der Punkte das erste Ziel - die Beseitigung des gegnerischen Schutzschildes vom Titan - erreicht, geht es an das Kapern der Schiffe. Um auf ein gegnerisches Schiff zu gelangen, gibt es drei Möglichkeiten. Der einfachste Weg ist es, mit einem Hubschrauber oberhalb der Schusslinie der Bordgeschütze des Gegners auf dem Titan zu landen.

Dabei kann man zwischen dem Hauptdeck an der Spitze des Schiffes und dem weniger überlaufenem am Heck wählen. Die zweite Möglichkeit ist es, sich direkt vom Truppentransporter per Schleudersitz optisch beeindruckend nach oben katapultieren zu lassen und mehr oder weniger präzise auf dem Titan zu landen. Heimtückisch ist die dritte Option, die man sich erst freispielen muss. So kann man einen mobilen Einstiegspunkt irgendwo auf der Karte erstellen. Dieser kann schön versteckt hinter ein paar Kisten platziert werden, womit einem nach dem Ableben ein direkter Einstieg in der Höhle des Löwen garantiert ist. Hat man die Brücke des Titans zerstört folgt eine kurze Sequenz, die dem Gegner zeigt, wo der Hammer hängt.



Die große weite Welt

Das Menü wirkt sehr aufgeräumt und ist wirklich übersichtlich. Der Onlinebrowser scheint jetzt auch ausgereift und die Tastaturbelegung ist nur noch bedingt ein Problem. So werden doppelt benutze Tasten zwar jetzt auf einen Hinweis hin geändert, aber nicht bei allen Tasten scheint das zu funktionieren. So kann man sich zwar als Fußsoldat ducken, aber im Fahrzeug mit der gleichen Taste eben nicht, weil man diese ja als Fußsoldat benutzt. Scheinbar ist es nicht üblich eine belegte Taste bei DICE in verschiedenen Fortbewegungsmitteln mehrfach gleich zu benutzen. Schön ist hingegen, dass der Fallschirm jetzt automatisch öffnet, wenn man die Sprungtaste drückt. So spart man sich eine Tastenbelegung und das Springen in der Luft lässt einen eh nur hysterisch aussehen. Nervig ist jedoch nach wie vor, dass der Mauszeiger sich immer noch bei einer Tastenänderung in der Mitte des Bildschirmes zentriert. Solch ein Fauxpas ufert in einem wilden Mausgeschiebe aus und sollte bei einer Fortsetzung doch endlich ausgemerzt sein. Ebenso fehlen die einige Auflösungen, die für heutige TFTs den Standard  bedeuten und Spielen in nativen Auflösungen ermöglichen.

Die Spieleranzahl scheint DICE ebenso völlig zu unterschätzen. Denn genau das ist es, was die meisten Spieler bei der Serveranmeldung wieder einmal nerven wird. Warum? Weil man sich ein Account erstellen muss bzw. seinen alten zwar aus BF2 übernehmen und weiter nutzen kann. Aber um für das Spiel dann noch einen unbenutzten Namen zu finden ist eigentlich unmöglich. Ich habe ja Verständnis, wenn man sich einen einmaligen Account erstellen muss, um zu einem Server zu connecten, aber völlig unklar ist, warum nicht in einem „Weltkrieg“ zwei „John Smith“ auf dem Schlachtfeld stehen dürfen oder warum nicht ein „John-Abraham Smith“ auf dem Schlachtfeld stehen darf? Warum nicht? Weil DICE nicht alle Sonderzeichen zulässt und ebenso wenig doppelte Namen. Schleierhaft, da man sich ja auch mehrere Namen auf den eigenen Account erstellen darf und somit doppelte Namen zwar evtl. für spielerische Verwirrung sorgen dürften aber die Punkteverteilung bei den offiziellen Rankings keine Probleme bereiten sollte. Aber ich vergaß, in Afghanistan rennen die Leute mit gleichen Namen auch als „J0hn Sm!th“ oder „John 123 Smith“ herum.

 

Fazit:

Battlefield 2142 ist nur teilweise eine gelungene Weiterentwicklung von Battlefield 2. Jedoch kann diese nicht so überzeugen, wie es das damals völlig verbugte Battlefield 2 vermochte. Die Neuerungen bei 2142 sind zu gering und der achso tolle Titan-Modus ist auch nur Augenwischerei. Die Grafik ist nicht wegen der Leistung sondern wegen der Texturen und der Abwechslung unter der von Battlefield 2 anzusetzen. Schade. Wer Battlefield 2 mochte, wird auch Battlefield 2142 mögen, sofern er mit dem Szenario keine Probleme hat. Wer sich jedoch mit Battlefield 2 schon ausgetobt hat, sollte wohl besser auf Battlefield 3 warten.

Battlefield 2142 ist das verdiente 2. Add-On für Battlefield 2, leider nur zum falschen Preis.

(rn)

Gut

- viele Erweiterungen für die Infanterie - recht unverbrauchtes Szenario - im Vergl. zu BF2 kürzere Ladezeiten - forderet Teamspiel durch höhere Punkte - tolle Effekte und umfangreiche Shadernutzung - Coop-Modus jetzt offiziell im Multiplayer-Modus - durch individuelle Ausrüstung kleinere, effektiver Squads möglich

Schlecht

- online ohne Waffenupgrades benachteiligt - Namensgebung des eigenen Charakters - trostlose Texuren - Unterscheidungsprobleme zwischen Freund/Feind - zu teuer - nur 10 Spielkarten - für Einzelspieler und Coop nur 5 Karten - durch die anpassbaren Upgrades der Ausrüstung viele Rambos auf den Servern

Kommentare 4
  • 0
    RonnyRonny1. Kommentar

    Ein wirklich toller Testberich

    Respekt! Respekt!
    Der bericht ist zwar ziemlich lang und man sollte sich wirklich zeit nehmen diesen mal in Ruhe durchzulesen, dafür jedoch lohnt es sich.
    Am Besten gefiel mir folgende Stelle:
    "Das Interface blinkt, macht dann wild vor sich hin und fängt an zu tüteln, als ob man in einem Weihnachtsbaum beim Musikantenstadl sitzen würde."
    Aus diesem Grund gibts von mir ne fette 1+
  • 0
    Pvt._HudsonPvt._Hudson

    Zum Thema Musikatenstadl

    Ich dachte mit was man es am besten vergleichen kann und da viel mir der Weihnachtsbaum und der Musikantenstadl ein. Und etwas Humor hat ja noch nie geschadet. Danke für deine Einschätzung. 😃
  • 0
    Desann16Desann16

    Lob an den Testbericht

    Hier cheint wohl ein kleiner Schreiberling sein neues Element gefunden zu haben- jawohl-Spieletests schreiben und das sogar ganz ordentlich...wenn nur nicht die neue Rechtschreibung wäre... 😛

    Weiter so !
  • 0
    NOnoone

    hey

    ein guter, zusammenfassender Bericht
    wusste gar nicht das der Krieg so landg dauert
??
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