Zum Inhalt springen
Szene31.05.2009, 00:00← Alle News

Interview mit einem WoW-Süchtigen – Die Sucht und ihre Folgen

RonnyRonny2.899 LeserLesezeit 3 Min

Michael war komplett im Bann von WoW gefangen. World of Warcraft war für ihn nicht nur ein Spiel sondern sein Lebensinhalt. Immer tiefer drang er in dieses Universum ein und machte sich unterdessen auch einen Namen. Doch wo liegt der Reiz in einem Spiel, welches so viele Menschen scheinbar süchtig macht?

Interview mit einem WoW-Süchtigen – Die Sucht und ihre Folgen
Mit „Jagen und Sammeln“, was die hauptsächlichen Aufgaben in World of Warcraft sind, kann man noch lange nicht den Reiz des Spiels erklären. World of Warcraft ist mehr als dies. In WoW kommunizieren die Spieler aktiv miteinander und begeben sich gemeinsam in Abenteuer, im Spiel werden diese Instanz genannt. In solchen Dungeons, welche man mit mehreren Spielern erkundet, findet man jede Menge Monster und den Bossgegner, welcher immer einen interessanten Gegenstand dropt, beziehungsweise fallen lässt. Um einen solchen Kampf erfolgreich zu bewältigen, muss man sich in WoW jedoch organisieren.

Michael war selber aktiv in einer dieser Organisationen, die in WoW als Gilden bezeichnet werden. Viele dieser Gilden sind nur „Just for Fun“ Gilden. Man trifft sich, spricht sich kurz ab und macht sich dann gemeinsam auf den Weg zur nächsten Instanz. Profispieler, also diejenigen, welche sehr viel Zeit in WoW verbringen, sehen jedoch darin mehr als nur den Kick des nächsten Bossgegners. Sie organisieren solche Kämpfe so effektiv, dass ein Scheitern unmöglich ist. Damit dies funktioniert gibt es für jede Gilde einen Gildenmeister. Dieser managt die Gilde, verteilt Aufgaben vor den Eintritt in eine Instanz und sorgt dafür, dass genügend Manpower zum nächsten Gefecht bereit steht.

Für Michael hieß dies sieben Tage die Woche harte Arbeit. Als Druidin musste er, um in der Gilde weiterhin mitmischen zu dürfen, Mondsteine sammeln. Diese werden für Zaubertränke benötigt. Bekam er bis zur Schlacht nicht genügend Mondsteine zusammen, musste er WoW Gold ausgeben, um die Steine zu kaufen. Wer seine Aufgaben ordentlich erledigte und den Anweisungen des Gildenmeister folgte, erhielt dafür als Belohnung DKP-Punkte, ein Punktesystem was nicht von Blizzard entwickelt wurde, sondern eigenständig entstanden ist. Aufgrund dieser Punkte hatten Charaktere ein erhöhtes Anrecht auf Gegenstände, welche die Bossgegner fallen ließen, nachdem sie getötet wurden.

„Ein Bossgegner lässt im Durchschnitt 3 bis 4 Gegenstände fallen. Ist dann nur ein Gegenstand für einen Druiden dabei, aber es befinden sich zwei Druiden in der Gruppe, sorgte der Gildenmeister für die gerechte Aufteilung des Gegenstands.“, erklärt Michael. Wer bessere Gegenstände und Ausrüstungen besaß, wurde stärker und beliebter. Dies ging soweit, dass bei einem sehr gut ausgerüsteten Charakter, Anfragen von anderen Gilden kamen. Michael erhielt viele dieser Anfragen und er fühlte sich jedes Mal ein Stückchen größer. „Beliebt zu sein und etwas darzustellen, das war das Größte was man sich vorstellen konnte. Die Leute wollten wissen wer du bist und mit dir reden. Manchmal kam man sich vor wie ein Star.“

Für seine reellen Freunde wurde die Zeit immer knapper bemessen. Befand er sich in WoW, verging die Zeit so schnell, dass er regelmäßig Verabredungen einfach sausen ließ oder sich permanent verspätete. Schaffte er es doch einmal zu einen dieser Treffen, dann schnappte er sich einen Freund, von dem er wusste, dass auch dieser WoW spielte und besprach mit ihm den ganzen Abend neue Strategien. „Es ging soweit, dass Mädchen versuchten uns anzutörnen, nur damit wir mal über etwas anderes sprachen. Sie begannen damit sich auf unseren Schoss zu setzen und sich an uns zu reiben, jedoch ohne Erfolg. WoW war für uns interessanter als jeder Körperkontakt.“

Wenn Michael heute auf diese Zeit zurückblickt, kann er nur mit dem Kopf schütteln. „Was ich mir hab damals entgehen lassen, kann man nicht in Worte fassen. Doch zum Glück hielten meine Freunde immer zu mir.“ Doch nicht seine Freunde sollten ihn von World of Warcraft abbringen. Dazu bedurfte es radikalere Mittel. Doch dies erfahrt ihr im letzten Teil.

Fortsetzung folgt am 07.06.
Hier findet ihr den ersten Teil der Geschichte.
Kommentare 0
??
öffentlich · unter dem Artikel
als … · +2 PLoints
Womit willst du anfangen?
2.000 Zeichen, öffentlich, bleibt im Archiv.
0 / 2.000 Zeichen
Enter = Zeilenumbruch · Strg+Enter = senden
Mehr aus Szene
Das Archiv in Zahlen2006–2011
ploynt

E-Sport, LAN-Partys und Gaming-Kultur. Frisch aus dem Archiv 2006 bis 2011 ausgebuddelt.

Archiv seit 2006
Zitat aus dem ForumZitat 272 von 325

Die Nasa hat 5 Jahre gebraucht um einen Kugelshreiber zu entwickeln, der im weltraum, bei extremer kälte, bei extremer hitze und sogar im vakuum schreiben kann. Die Russen nehmen einen Bleistift.

— Torsten · 2009

Alle 325 Zitate →

Archiv-Roulette

2026 · ploynt · aus dem Archiv · Konzept & Umsetzung: Torsten